Gestern war es endlich soweit, der Herbstmarathon sollte kommen. Gro??artig, fabelhaft wunderbar einfach alles. K1 und K2 waren ausgelagert bei der Familie, Gattin auf einem Seminar und ich hatte vor dem Marathon 3 Tage Ruhe. Am Samstag noch einen Kuchen backen und Nudeln mit Thunfisch als Carboloading, nach einem „Beine-Locker-machen“ Lauf in Schlabbertempo. Zeitig ins Bett, hervorragend geschlafen und rechtzeitig aufgestanden. Zum Fr??hst??ck ein Toast und ne’n Kaffee und auf nach Essen. Autobahn frei und der Regen vom Samstag hatte sich auch verabschiedet. K??hl, aber nicht zu k??hl und eher sonnig als regnerisch, genau so wie man sich Wetter zum Marathon w??nscht. Parkplatz gefunden, Hund pinkeln lassen und ab zur Startnummerausgabe. Auf dem Weg dorthin schon die ersten netten Menschen getroffen und gefreut. Bei der Startnummernausgabe dann noch mehr getroffen und den Kuchen an einen Supporter abgegeben. Klassisches L??uferlatein ausgetauscht, noch mehr Leute getroffen grandiose Stimmung. Kleidung in den Sammelbeutel und diesen zum Sammelpunkt gebracht. Auch dieser Weg nicht ohne ganz viele Leute auf die ich mich gefreut habe.

Lockeres Einlaufen um nicht ganz so kalt an den Start zu gehen. Was ich an dem Marathon in Essen wirklich mag ist das er so klein ist, knapp 2.000 Starter, da kann man sich im Startfeld noch locker bewegen auch ein paar Minuten bevor es losgeht.

Noch 3 Minuten bis zum Start und gegenseitiges „Viel Spa??, viel Erfolg“ w??nschen. Dann noch schnell eine Verabredung mit einem alten Freund zum laufen, er geh??rt jetzt zu denen die auch mal 100km laufen, hat mich unglaublich gefreut ihn zu treffen.

Noch zwei Minuten bis zum Start, ich w??hle mich zum 3:30er Ballon durch und finde dort noch einen Mitl??ufer, wie passend, nicht allein auf die Piste zu m??ssen. Auf geht’s, die Uhr zeigt 0:00:00 ich dr??cke und schon habe ich keine Lust mehr zu laufen. Ofen aus, alles verbrannt Euphorie, Motivation alles weg. Okay das gibt sich beim Laufen denke ich. Normalerweise braucht mein K??rper immer die ersten 3-8 Kilometer um sich ans Laufen zu gew??hnen, aber diesmal nicht, es geht einfach gut voran, nicht mal das Tempo finde ich ??berm????ig schnell (4:48 Schnitt auf dem ersten 5km). Nach 6 Kilometern denke ich dar??ber nach wie ich meinem Nebenmann erkl??re dass ich bei KM10 das Tempo rausnehmen werde, das besch??ftigt mich bis zum achten Kilometer und so gehen die ganz gut rum. Bei KM10 kommt noch einer von hinten angebraust und ich verabschiede mich recht unspektakul??r nach hinten. Irgendwo nach KM13 geht es auf die Wendepunktstrecke und meine Lust schwindet mit jedem Schritt. Kurz hinter dem 16 Kilometerschild bleibe ich einfach stehen. Bis dahin sind mir ganz viele der Menschen auf der anderen Seite entgegen gekommen und gr????en mich. Irgendwann laufe ich in der stillen Hoffnung, das die Motivation vielleicht noch mal wieder kommt an und ziehe mich ??ber den n??chsten Teil der Strecke. Bei der Halbmarathonmarke stehen ein paar Supporter und meinen wie gut ich aussehe (ist klar, m??ssen die ja sagen, daf??r sind die ja da), ich sage das ich aufh??re und versorge mich erst einmal mit Getr??nken. Von dort sind es noch knapp 3 KM bis zum Zielbereich bzw. Kleiderbeutel die bringe ich auch noch irgendwie hinter mich. In Sichtweite zum Zelt mit meinen Wechselsachen stehe, hocke ich minutenlang auf der Strecke und ??berlege ob ich jetzt noch warte und dann mit Holgi (dem 100km-Mann) eine Runde um den See mache. Dann gestehe ich mir ein, dass es heute nichts wird, ich eine Lust habe noch mal um den See zu laufen. Kleiderbeutel holen, warme trockene Sachen an, ab zum Auto, SMS an die verschiedensten Leute geschickt zur Info und ab K1 abholen. Auf einer Rastst??tte noch eine halbe Stunde die Augen zugemacht und den Lauf im Geiste beendet.

Es war der perfekte Marathon:

Wetter, k??hl und trocken

Strecke, flach und schnell

Vorbereitung, komplett und zum Schluss ausgeruht

Soziale Kantakte, viele viele liebe nette Menschen getroffen

Mitl??ufer, genau das richtige Tempo

K??rper, alles funktionierte

H??tte ich meinen Kopf ausgeschaltet w??re ich sicher in meiner Zielzeit angekommen, aber ich wei?? jetzt wenigstens wie sich ein perfekter Marathon anf??hlt, auch wenn ich ihn nicht gelaufen bin.

Es wird noch einer kommen.

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